Andreas Rimkus war in Kiel bei seinem Bundestagskollegen Mathias Stein auf einer Bürgerdialogveranstaltung zum Thema „Ist die Zukunft der Mobilität elektrisch“ auf dem Podium. Im Kern der Diskussion stehen Elektro- und Wasserstoffmobilität als Baustein einer zukunftsfähigen Mobilität. Wie sauber ist die E-Mobilität eigentlich? Was können wir mit E-Mobilität und Brennstoffzelle erreichen? Andreas Rimkus hat im Nachgang zu der Diskussion in Kiel seinen Impuls zusammengefasst:

„Für die einen steht schon lange fest: Ja, natürlich ist unsere Mobilität in Zukunft elektrisch! Die anderen sind da skeptischer: Was ist mit den Batterien und der Reichweite? Woher soll der ganze Strom kommen? Und ist der dann auch wirklich grün?

Meine Antwort fällt grundsätzlich sehr simpel aus: Ja, die Mobilität der Zukunft wird zu einem sehr großen Teil durch elektrische Antriebe geprägt sein. Etwas differenzierter wird meine Antwort aber, wenn man genau hinschaut: Elektrische Antriebe müssen nämlich nicht unbedingt nur durch Strom aus Batterien angetrieben werden.

Die Verkehrswende: Herausforderung, aber auch Chance

Damit uns die Verkehrswende gelingt – damit wir also unseren Verkehr von der Straße über die See bis in die Luft grüner werden lassen, um unsere Klimaschutzziele zu erfüllen – müssen wir ein theoretisch recht simples Prinzip in die Tat umsetzen: Den Energiebedarf im Verkehr mehr und mehr durch Erneuerbare Energien decken. Diese wiederrum erzeugen wir vor allem in der Form von Strom – mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen zum Beispiel. Dieses Grundprinzip formuliert einerseits eine große Herausforderung, aber auch große Chancen: So oder so brauchen wir über kurz oder lang immer größere Mengen grüner Energie. Deshalb müssen wir weiterhin mit Nachdruck daran arbeiten, dass der Zubau an solchen Erzeugungsanlagen vorankommt. In dieser Perspektive ist die Frage, wie grün die Ökobilanz eines Elektroautos ist, also gerechtfertigt. Aber: Ein immer größerer Zubau an EE-Anlagen ist absehbar, und mit jeder Kilowattstunde grünem Strom mehr wird sodann auch jedes E-Auto grüner. Die Chance dabei: Wenn wir das so umsetzen, dann ist das nicht nur gut für das Klima; es bringt uns auch Arbeitsplätze und volkswirtschaftliches Wachstum.

Die Energiewende auf die Straße bringen: Ein Prinzip, viele Möglichkeiten

Damit wir den grünen Strom jetzt im Verkehr zum Einsatz bringen können, müssen wir ihn nicht zwangsläufig in Batterien speichern; auch chemische Speicher wie Gase oder Flüssigkeiten kommen in Frage. Das Grundprinzip heißt in jedem Fall Sektorenkopplung, und damit in der Praxis vor allem die Frage, wie wir grüne Energie dahin bekommen, wo sie gebraucht wird, also etwa auf die Straße. Außer Batteriespeicherung kommt aber eben auch Wasserstoff in Frage: Dafür wird der grüne Strom in großen Industrieanlagen (sog. Elektrolyseuren) eingesetzt, um grünen Wasserstoff zu erzeugen. Und der bietet übrigens einige Vorteile in bestimmten Szenarien: E-Fahrzeuge, die mit Brennstoffzellen angetrieben werden, haben höhere Reichweiten, und weil Brennstoffzellen technisch komplizierter sind als Batterieelektrische Antriebe, ist die Wertschöpfungskette länger – das sicher bei den Herstellern gute Arbeitsplätze. Eine weitere Möglichkeit: synthetische Kraftstoffe, die sog. E-Fuels – das sind Gase oder Flüssigkeiten, die anstelle herkömmlicher Kraftstoffe in einem Verbrennungsmotor eingesetzt werden, die aber klimaneutral unter Einsatz von grünem Strom hergestellt wurden. Bei der Herstellung wird der Umwelt dieselbe Menge CO2entzogen, die bei Verbrennung freigesetzt wird – unter dem Strich steht daher in der Theorie eine Null.

Ein kleiner Ausblick

Ich glaube, dass heute niemand genau vorhersagen kann, wie der Antriebs- und Energieträgermix im Verkehr in 20 Jahren aussehen wird. Aber ich habe aus meiner fachlichen Perspektive heraus zumindest eine grobe Vorstellung. Ich glaube, dass wir auf dem Land noch häufiger als in der Stadt PKW in privatem Eigentum sehen werden, die dort möglicherweise nach wie vor lange Leerflaufzeiten haben – mehr Stehzeuge als Fahrzeuge also – und die aber während dieser Zeiten möglicherweise über Vehicle-2-Grid-Lösungen angeschlossen ans Stromnetz ebendieses zu stabilisieren helfen; diese Technologie ist schon heute einsatzbereit.

In der Stadt hingegen werden wir möglicherweise häufiger Fahrzeuge sehen, die den Herstellern bzw. Mobilitätsdienstleistern gehören – quasi die konsequente Weiterentwicklung der bereits heute vorhandenen Car-Sharing-Anbietern. Das könnte dazu führen, das insgesamt weniger Fahrzeuge in den Innenstadtbereichen unterwegs sind, die dafür aber deutlich weniger Leerlaufzeiten haben. Parallel dazu werden wir einen deutlich ausgebauten ÖPNV sehen – und auch der wird hauptsächlich elektrisch unterwegs sein.

Für kleine Fahrzeuge, gerade, wenn sie für kurze Strecken ausgelegt sind, wird kurzfristig die Batterie der entscheidende Speicher sein. Das gilt vor allem auch für Elektrokleinstfahrzeuge, wie etwa Roller, Scooter, etc. Je größer die Entfernungen werden, und je größer die zu transportierenden Lasten – wie etwa bei großen Limousinen, und erst recht im Bereich der LKW, der Busse im ÖPNV oder anderer schwerer Nutzfahrzeuge – desto mehr werden Wasserstoff und E-Fuels eine wichtige Rolle spielen. Die beiden letztgenannten werden zudem mittelfristig die realistischsten Lösungen sein, um auch den Schiffs- und Luftverkehr zunehmend grüner zu machen.

Wie man sieht, stehen uns durchaus Veränderungen bevor. Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass wir diese Veränderungen einerseits voranzutreiben – denn ich glaube, dass sie notwendig und sinnvoll sind. Andererseits will ich diese Veränderungen an vorderster Front politisch mitgestalten und moderieren. Denn neben der ökologischen Frage geht es hier vor allem auch um Wirtschaftlichen Erfolg und Solidarität. Wirtschaftlicher Erfolg deshalb, weil in Wasserstoff, Brennstoffzelle, E-Fuels und allem, was damit in Verbindung steht, enorme volkswirtschaftliche Potentiale stecken. Und Solidarität, weil der Wandel kommt, so oder so – mit oder ohne uns. Wenn’s ach mir geht lieber mit; denn der Erfolg Sichert uns nicht nur Steuereinnahmen; er sichert gute Arbeitsplätze und damit die Grundlage für ein gutes Leben und die Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand.“

 

 

 Appell für eine umfassende industriepolitische Wasserstoffwirtschafts-Strategie

Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen Verband e. V. appelliert mit der Clean Energy Partnership und Herrn Andreas Rimkus, MdB für eine ganzheitliche industriepolitische Wasserstoffwirtschafts-Strategie auf Bundesebene. Wasserstofftechnologien sind der Erfolgsschlüssel der Energiewende, da sind sich die meisten Experten einig. Mit dem Energieträger Wasserstoff wird eine versorgungssichere, nachhaltige und wirtschaftliche Energiewende in allen Sektoren möglich sein. Die strategische Ansiedlung einer Brennstoffzellen- und Elektrolysefertigung sowie einer sektorenübergreifenden Wasserstoffwirtschaft in Deutschland, durch eine gezielte wirtschafts- und energiepolitische Steuerung, bietet die Chance bis 2030 über 70.000 Arbeitsplätze neu zu schaffen. Bis 2050 würde sich sogar ein Marktpotential von weit über 40 Mrd. EUR pro Jahr mit über 150.000 Arbeitsplätzen ergeben. Global sehen Experten sogar ein Potential für über 30 Mio. Arbeitsplätzen mit über 2.000 Mrd. EUR Jahresumsatz.

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