Es war ein spannender Auftakt für die Sommertour: Etwa 20 Interessierte begrüßte der Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus in den neuen Räumen der Mahn- und Gedenkstätte. Zu Beginn stellte Historiker und Kurator Dr. Peter Henkel den geschichtsträchtigen Ort an der Mühlenstraße vor. Ursprünglich als Jesuitenkolleg gegründet, beherbergte das historische Stadthaus im Laufe der Jahrhunderte unter anderem eine konfessionsoffene Schule, die Bezirksregierung und ab den 1920er Jahren schließlich die Düsseldorfer Polizei. Aus der räumlichen Nähe von Polizei und benachbarten Einrichtungen wie dem Einwohnermeldeamt, dem Finanzamt und dem Amtsgericht wussten die Nationalsozialisten dann ab 1933 traurigen Nutzen zu ziehen. Die kurzen Wege und die zentrale Verwaltung von Informationen an der Mühlenstraße erleichterten es den Handlangern der NS-Dikatatur, ihre Opfer schnell zu identifizieren und gezielt zu verfolgen.MuGD2

 

Um über Verfolgung und staatlichen Terror der NS-Zeit – gerade in Bezug auf Düsseldorf – aufzuklären und den zahlreichen Opfern würdig zu gedenken, wurde die Mahn- und Gedenkstätte vor bald dreißig Jahren bewusst an diesem Ort eingerichtet. In den nach umfangreicher Renovierung und Neukonzeption erst im Jahr 2015 wiedereröffneten Räumen sind aktuell zwei Ausstellungen zu sehen. Die Dauerausstellung “Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus” gibt tiefe Einblicke in Schicksale vor Ort. Zahlreiche Texttafeln, Zeitzeugenberichte, historische Dokumente und teilweise aus Nachlässen stammende Objekte machen die von Terror und Verfolgung gezeichneten Lebensläufe zahlreicher Kinder und Jugendlicher aus Düsseldorf erfahrbar. Auch die Täter werden dargestellt, um die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten.

 

“Das Dritte Reich erhält in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorfer Gesichter, es wird über die Darstellung von persönlichen Leidenswegen in unserer Stadt eindrucksvoll lebendig. Den Historikern und Kuratoren der Ausstellung gelingt es so, aus der anonymen Masse von Tätern und Opfern konkrete Menschen herauszulösen, deren Geschichte hier erzählt und deren Schicksalen hier gedacht wird”, so Andreas Rimkus, MdB. “Die Mahn- und Gedenkstätte ermöglicht einen unverstellten Blick in eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Ich bin froh, dass wir diese wichtige Erinnerungsstätte haben und dass viele Interessierte meiner Einladung hierher gefolgt sind.”MuGDüsseldorf

 

Auf ganz andere Weise eindrucksvoll wirkte der Besuch der zweiten Ausstellung des Hauses: “Neues Land” heißt die aktuelle Sonderausstellung, die Photographien des Düsseldorfer Zeitungsphotographen Hans Berben aus den Jahren 1946 bis 1951 zeigt. Etwa 11.000 Dia-Abzüge hat Kurator Dr. Henkel mit einem kleinen Team dafür innerhalb eines Jahren studiert, katalogisiert und schließlich 90 davon für die Präsentation ausgewählt. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn in den Schwarz-Weiss-Bildern zeigt sich Düsseldorf, wie man es bisher selten gesehen hat: Verwundet, aber nicht zerstört, im Aufbau begriffen, auf dem Weg zurück in eine Normalität, die stets auch unter dem Schatten der Vorgeschichte stand – denn die neue Normalität beinhaltete auch die Rückkehr der meisten Unterstützer des NS-Regimes in die Gesellschaft.Neues Leben

 

“Die Bilder von Hans Berben haben mich fasziniert”, so Andreas Rimkus. “Sie erzählen Geschichte, wie es nur Zeitdokumente können. Besonders hat mich dabei bewegt, dass viele der Bilder SPD-Politiker und Veranstaltungen in den Nachkriegsjahren zeigen. Es freut mich, dass in dieser Form auch denen gedacht wird, die unsere Gesellschaft nach dem Krieg in der Tradition wiederaufgebaut haben, der auch ich mich verpflichtet fühle, geleitet von der Vision einer freien, solidarischen und gerechten Gesellschaft.”

Weiterführende Informationen zur Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf finden Sie hier: www.gedenk-dus.de

 

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